City tours
Visit to Uzbekistan and Central Asia with your professional tour operator
Tashkent office: +998 (71) 147-04-77
Samarkand office: +998 (66) 235-18-94
E-mail: info@sarbon-tour.com

Handwerkerkunst


Angewandte Kunst - geformt und geschnitzt

Angefangen bei der einfachen Gebrauchskeramik bis zu den feinsten Fayencen: soweit reicht die Palette der Kleinkunst Zentralasiens. Einzigartig ist z. B. die sogenannte Samaniden-Ware: mit einem Schriftdekor verzierte Fayenceschalen von einer Eleganz, wie sie in der ganzen islamischen Keramik nie wieder erreicht wurde. Meist handelte es sich um Segenswünsche, die in einem aus der Architektur oder aus Buchmalereien bekannten Duktus auf die Ablaufflächen aufgetragen wurden, wobei jedes andere Ornament ausgeschlossen war. Nicht uninteressant ist auch die turkestanische Keramik, eine Verhältnismäßig Große  Fayence, gelblich weiß mit grünen und blauen Malereien, die etwa 800-900 Jahre später in Buchara hergestellt wurde.

Besondere Erwähnung verdienen hier drei Große  Zentren, wo die für Choresm charakteristische Keramik hergestellt wird und wo sich die Tradition dieses viele Jahrhunderte alten Handwerks bis in die Gegenwart bewahren konnte: Urgentsch (Madyr), Chiwa (Kattabak), Daschhawus (Kohne Urgentsch). Die Töpferwaren von Madyr zeichnen sich vorwiegend durch florale Motive aus - z. B. Apfelblüten in Weiß, Grün und Hellblau, die von Kattabak durch die Darstellung von Gebrauchsgegenstanden (Musikinstrumente, Flaggen u.a.) als Dekor. während die Produkte von Kohne Urgentsch mit geometrischen Mustern, Sternen und Monden verziert werden. Die Zukunft dieses Kunsthandwerks dürfte jedoch an der sich mehr und mehr durchsetzenden Fließbandproduktion scheitern.

Eng verbunden mit der Baukunst ist die Kunst des Schnitzens. Es sind die tragenden Säulen eines Iwan, die Decken, Türen und Fensterladen, aber auch Wandschranke, Truhen. Wandschirme, Tischchen und Koran Ständer, die, wie die Tradition es will, in aufwendiger Kleinarbeit bearbeitet und mit geometrischen, floralen, aber auch gewöhnlichen Ornamenten verziert werden.

Angewandte Kunst - gemalt und geschrieben

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben dürfen die herrlichen Buchmalereien, die Miniaturen und Handschriften, obgleich der größte Teil dieser besonderen Kunstwerke den Wirren der Zeit zum Opfer gefallen ist. Berühmt geworden sind insbesondere die prachtvollen Miniaturen zu Rudakis «Kalila und Dimna» und die fantastisch illustrierte, großformatige Ausgabe des «Schah-name», Ferdausis «Königsbuch». Aus verschiedenen Berichten ist bekannt, dass Timur im Zuge seines Leiturgie-Systems auch Buchmaler nach Samarkand geholt und mit Auftragen bedacht hat. Ob es aber in seiner Hauptstadt auch eine eigene Malschule gegeben hat, konnte bis heute noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Timurs Sohn Schahruch jedoch und dessen Sohn Baisonkur - beide große  Liebhaber der Buchmalerei - beschäftigten eine große  Zahl von Kalligraphen, Illuminatoren und Einbandkunstlern und gründeten sogar an ihrem Palast eine eigene Kunstakademie.

Handschriften und Miniaturen aus dem 16. Jh. beweisen, dass auch unter den Schaibaniden in Buchara eine bedeutende Malschule existierte, an der die berühmten Künstler aus Herat, die nach Buchara deportiert worden waren, die Tradition der Timuriden mit große m Erfolg fort führten und Buchillustrationen sowie Einzelblätter anfertigten Miniaturen, die heute zu den schönsten des Orients gerechnet werden dürfen. Aber bereits mit dem ausgehenden 16. Jh. nahm die Zahl der in der Herat-Buchara-Malschule hergestellten Miniaturen sehr rasch ab - die Dschaniden hatten in Buchara die Macht an sich gerissen, und es begann eine Zeit des kulturellen Niedergangs. Herrliche Originale von Buchara-Miniaturen befinden sich heute u.a. in Paris (Bibliotheque Nationale), Oxford (Bodleian Library), Dublin (Chester Beatty Library) sowie in Krakau und Taschkent. Handgemalte Kopien alter Miniaturen, die ihren große  Vorbildern an Präzision und Leuchtkraft keineswegs nachstehen müssen, werden heute in zunehmendem MaRe - oft vom Künstler selbst - zum Verkauf angeboten.

Angewandte Kunst - gewebt und geknüpft

Ein Kunstwerk besonderer Art (und einer gemalten Miniatur nicht unähnlich) stellt heute - auch im Bereich des Abendlandes – der echte Orientteppich dar. Die oft an ein Märchen aus 1001 Nacht erinnernden und nicht selten aus vielen Millionen Knoten gefertigten Meisterstücke aus Wolle und Seide haben ihren Ursprung bei den turkmenischen Nomaden in Zentralasien. Anfangs beschrankte sich ihre Teppichherstellung auf kleinere Stücke, da es zu aufwendig

gewesen wäre, größere Knüpfstühle ständig auf- und abzubauen und von Weideplatz zu Weideplatz zu transportieren. Die Tatsache, dass eine angefangene Arbeit bei einem Ortswechsel unterbrochen wurde oder dass mehrere Personen an ein und demselben Stuck arbeiteten, führte nicht selten zu Unregelmäßigkeiten im tragenden Gewebe, Reihenverschiebungen, Unterschieden zwischen den Rändern oder auch zu Fehlern im Muster, was andererseits für die Echtheit der handgeknüpften Teppiche sprach.

Die Turkmenen sind es schließlich auch gewesen, die seit dem 9. Jh. wesentlich zur Verbreitung der von Generation zu Generation überlieferten Teppichknüpfkunst beigetragen haben. Und ebenso wie ein architektonisches Kunstwerk ist auch ein Teppich ein Spiegelbild seiner Zeit, denn die starken, oft durch Völkerwanderungen und Kriege bedingten Fremdeinfüsse fanden ja ihre Spiegelung auf allen Ebenen menschlichen Tuns. Mit den Seldschuken gelangte die Kunst des Teppichknüpfens bis nach Kleinasien und unter den Timuriden bis nach Indien, während die Chinesen sie vermutlich erst Ende des 15. Jh. kennengelernt haben. Mit den Kreuzrittern kamen die Teppiche nach Europa, aber erst nach dem große  Türkenkrieg Ende des 17. Jh. begann man sich auch im Westen Europas für die ästhetischen Kunstwerke zu begeistern.

Unter den zahllosen Orientteppichen, die heute auf den Markt kommen, gewinnen die in Zentralasien hergestellten mehr und mehr an Bedeutung. Nach wie vor sind aber die Turkmenen die Hauptlieferanten der echten Buchara-Teppiche, die ihren Namen dem größten Teppich-Handelszentrum, der alten Sanianiden-Hauptstadt verdanken, wobei die ergänzenden Bezeichnungen wie Kerkiner, (Achal-)Tekke, Saryk, Ersari, Pendeh u.a. die Stamme - den Hersteller - nennen und damit gleichzeitig ein Qualitätsmerkmal darstellen. Hauptcharakteristika der Buchara-Teppiche sind die vorherrschen den Rottone, die unzähligen geometrischen Muster, Medaillons, Achteckornamente und auch Wolkenbänder und - ein besonderes  Identifikationsmerkmal - die nur aus Ziegen- oder Kamelhaar hergestellten Enden. Einst ein absolut notwendiges Attribut des turkmenischen Alltags, wurde der Teppich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zum Kunstwerk, das nicht nur technisches Können, sondern auch eine bestimmte geistige Einstellung erforderte, eine Kunst, die aber gerade die Turkmenen in hohem Maße gepflegt haben und bis heute der Nachwelt überliefern.

Nicht weniger interessant und eindrucksvoll ist die Textilkunst: das Weben, die Herstellung von Filz, die Stickerei, der Textildruck sowie die Produktion von Textilien aus Baumwolle und Seide in den verschiedensten und oft stark regional abhängigen Techniken. Unübersehbar und unverwechselbar sind die vornehmlich bei den Frauen so beliebten Seidenstoffe mit Abr-bandi-Mustern (abr-Wolke) in Schwarz-Weiß, Rot-Weiß bis zu vielfaltigen Kombinationen in allen Regenbogenfarben. Hergestellt werden diese auffallend schönen Stoffe durch abwechselndes Abbinden und Tauchfarben, wodurch sich dann ein verschwommenes buntes (Wolken-)Muster ergibt. Gerade in der angewandten Kunst der Textiltechnik, in der Überfülle von Ornamenten, Farben und Formen spiegelt sich eine Welt wieder, wie man sie in der Realität des Alltags sehen und erleben möchte.

Angewandte Kunst - ziseliert und vergoldet

Große  Bedeutung wurde in Zentralasien aber auch der Metallverarbeitung und -bearbeitung zugemessen. Beeindruckend ist daher die Zahl der reichverzierten Gegenstände: Schmuck, Geschirr (u.a. Silberschalen der Samaniden!), aber auch Waffen, Instrumente, Werkzeuge und vieles andere mehr, was heute vielerorts von der alten Kunst und Kultur der Völker Zentralasiens Kunde gibt.

Zu den besonders wertvollen «Miniaturen» ist der Schmuck in seinen mannigfaltigen Formen zu rechnen, der im Leben sowohl der sesshaften Bevölkerung als auch der Nomaden einen nicht geringen Stellenwert hatte. Ähnlich anderen alten Kulturen erfüllte aber der Schmuck auch hier recht unterschiedliche Funktionen: magische in Form von Amuletten und Talismanen, praktische als Fibel oder Schnalle, schmückende - z. B. Ketten, Ringe, Reifen, Broschen – und schließlich nicht selten die der stabilen Kapitalanlage.

Die Materialien, die bei der Schmuckherstellung Verwendung fanden, waren vorwiegend Edelmetalle (Silber und Silberlegierungen), aber auch Messing, vergoldet oder versilbert, sowie Messinglegierungen, Als Schmucksteine schätzte man besonders Karneol und Achat, daneben Korallen, Türkise und nicht selten farbiges oder farbig unterlegtes Glas. Was die Schmuckform und - ornamentik betrifft, so waren diese ebenso vielfaltig wie die als Vorlage dienende Natur: Blüten, Blätter und Tiere wie Hirsche, Widder, Vogel und Insekten. Aber auch geometrische Muster und abstrakte Konstruktionen, denen nicht selten eine magische Bedeutung zugeordnet wurde, lassen sich in alten und neuen Schmuckdarstellungen wiedererkennen. Und dass sich der Austausch von Ideen und Materialien über die Große  Seidenstraße auch auf die Gestaltung und Herstellung von Schmuck auswirkte, kann in unzähligen Beispielen beobachtet werden.

Die Zeit, in der Frauen ihr ganzes Kapital ständig bei sich trugen - Schmuck in einem Gesamtgewicht bis zu 18 kg -, um im Fall einer Scheidung nicht ganz mittellos zu sein, gehört auch in Zentralasien der Vergangenheit an. Im heutigen Alltag spielt der Schmuck nur eine sekundäre Rolle. Zu festlichen Anlässen jedoch - z, B. zur Hochzeit erinnern sich vor allem junge Mädchen und Frauen wieder ihrer Tradition und tragen Große  Ohrringe, vielgliedrige Ketten und Armreifen - meistens Erzeugnisse neueren Datums, die sich aber streng an die überlieferten Formen anlehnen.